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| Optimierung der Bereifung (ProVelo 42 9/95 S.16 ff.) |
Schläuche
Über das Rollverhalten von Schläuchen ist bis auf
wenige Pauschalaussagen wie Latex rollt besser als Butyl oder PU rollt
am schlechtesten, bisher wenig veröffentlicht worden. Zufällig
ist bei einem Test über die Quetschfestigkeit von MTB Schläuchen
(Double Snake Bite) auch der Rollwiderstand mitgemessen worden [2].
Da hier Latex- und Butylschläuche mit verschiedenen Gewichten zum
Einsatz kamen, Reifen, Felge und Prüfdruck aber immer gleich waren,
hat man hier eine hervorragende Datenquelle, wie stark eigentlich Schläuche
am Rollwiderstand beteiligt sind. Als Messverfahren wurde eine Rollmessung
auf einem glatten 1 m Stahlrad verwendet. Wegen der höheren
Walkarbeit
sind die Meßwerte nicht so einfach mit den ORM Werten aus ProVelo
32 vergleichbar, liegen aber näher an der Wirklichkeit. Bei den verschiedenen
Tests gibt es 2 Überschneidungen bei Reifen
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womit man die Größenordnung ungefähr abschätzen
kann. Da bei den Messungen keine genauen Angaben zur Felge (& Schlauchtyp)
gemacht wurden, sind die Werte aber nicht zu vergleichen.
Daß die Cr-Werte bei Schwalbe Butylschläuche mit niedrigen Gewichten
nicht stärker nach unten gehen, scheint im ersten Moment unlogisch.
Schließlich ist das Gewicht schon nahe der 0g Marke und hier müßten
sich die Rollwiderstände von Butyl und Latex wieder treffen, da dann
nur noch der Reifen walkt.
Eine mögliche Erklärung hierfür wäre, daß die
Schläuche immer kleiner werden und sich stärker dehnen, bis Sie
den Reifen berühren. Mehr Dehnung bedeutet auch mehr Energie die im
Schlauch gespeichert ist, höhere Verluste sind so wahrscheinlicher.
Latexschläuche verlieren recht schnell ihre Luft, so daß diese
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Kontakfläche Schlauch - Reifen
Die Reibung in der Kontaktfläche zwischen Schlauch und
Reifen ist eine weitere Quelle die den Rollwiderstand erhöht. Um diese
zu verringern, hilft wieder ein möglichst flexibler und dünner
Schlauch, sowie hohe Flächenpressung (Druck). Einer der Gründe,
warum z.B. Autoreifen mit ihren niedrigen Drücken schlauchlos geworden
sind. Inwieweit das praktizierte Einreiben des Schlauches mit Talkum (gegen
Aufscheuern) den Rollwiderstand verändert, ist noch nicht gemessen
worden.
Felge
Wie vorhin schon angeschnitten, hängt der Rollwiderstand
auch von der Felge ab. Das ist bis jetzt noch nie gemessen oder veröffentlicht
worden [3]. Nach den bisherigen Tests konnte man vermuten,
daß ein Reifen der breiter aufliegt auch besser rollt, was auch zutrifft.
- Leider geht in den Rollwiderstand auch die Höhe des Felgenhorns
ein. Je kürzer die Felgenhörner sind, desto besser rollt der
Reifen (Conti Grand Prix 25-559). Bei schmalen Felgen fallen diese kürzer aus worauf die Cr-
Reduzierung zurückzuführen ist. Da nur bei 2 verschiedenen Felgenhornweiten
/ Höhen (20/6,5 und 14/5,0 mm) gemessen wurde, läßt sich
über den Verlauf der Kurven allerdings nur spekulieren. Bei höheren
(breiteren) Reifen ist die Hornweite vermutlich wichtiger. In dem Zusammenhang
sind Rollwiderstände von früheren Messungen mit unbekannten Felgen
oder Schläuchen wohl nicht zu reproduzieren.
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Belastung Temperatur & Geschwindigkeit
Belastung, Temperatur und Geschwindigkeit sind weitere Faktoren
die Cr und damit den Rollwiderstand bestimmen.
Diese
Tatsache ist bei Cr- Messungen in der Autobranche bekannt und wird auch
berücksichtigt. Bei steigender Belastung bleibt Cr nicht konstant
sondern beginnt immer stärker anzusteigen. Der Rollwiderstand steigt
also zu höheren Belastungen überproportional an.
Beim Einfluß der Temperatur, läßt sich nur hoffen, daß
Fahrradreifen das Minimum der Hystereseverluste bei 20°C haben. Der
Schwefelgehalt, der maßgeblich an dem Kurvenverlauf beteiligt ist,
läßt sich nachträglich nicht so ohne weiteres verändern.
Falls das Minimum bei höheren Temperaturen liegen sollte, würde
ein Aufheizen der Reifen im Wasserbad für Rekordversuche, hier noch
etwas bringen (Druck beachten). Autoreifen erreichen ihr niedrigstes Cr
erst ab ca. 60°C.
Der Rollwiderstandskoeff. Cr und die Federkonstante von Diagonalreifen
sind auch deutlich geschwindigkeitabhängig. Die Beiwerte steigen kontinuierlich
mit der Geschwindigkeit an, wobei ein hoher Luftdruck diesen Effekt abschwächt
[15]. Höchste
Drücke sind also bei Rekordfahrzeugen Pflicht. Bei Stahlgürtel
Radialreifen tritt dieser Effekt erst ab ca.150 km/h auf.
Luftwiderstand
Fahrradreifen erzeugen auch Luftwiderstand. Neben der Breite,
spielt dabei ebenfalls die Oberfläche eine Rolle. Bei niedrigen Reynoldszahlen
tritt z.B. häufig laminarer Abriß an der Vorderseite auf. Die
dadurch entstehende Wirbelverbreiterung treibt den Luftwiderstand nach
oben. Um den Ablösepunkt möglichst weit nach hinten zu verlagern,
müßte die Reifenoberfläche rauh, also mindestens diamantiert
oder profiliert sein (Grenzschichtumwandlung). Reine Slicks sind hier wohl
eher 2.Wahl. Bei Reifen-Strömungsbilder von Scheibenrädern, kann
man am Reifen eine laminare Ablöseblase und turbulentes Wiederanlegen
der Strömung an der Scheibenfläche erkennen [14].
Luftverlust (grüne Ventilkäppchen)
Sauerstoff (21%) und Stickstoff (78%), die beiden Hauptbestandteile von Luft,
diffundieren durch ihre geringe Molekülgröße (0,0004 µm)
relativ leicht durch Gummi.
Lt. einer interessanten Werbung [10] läßt sich
durch Gas, das aus größeren Molekülen besteht, bei
Autoreifen die Diffusion fast vollständig unterbinden.
Ein Bekannter hat das einmal bei seinem Auto ausprobiert und damit leider
einen Riesen-Beitrag zur Klimaerwärmung geleistet (s. Kasten).
Denn entgegen zusätzlicher Versprechungen (Komfort-Füllung, Formel-1
erprobt, ...) läßt sich durch Wechseln der Gassorte, weder der
Rollwiderstand oder Verschleiß verringern, noch die Reifen-Dämpfung
verändern.
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Gürtelreifen
In verschiedenen ProVelo-Artikeln war verstärkt darauf
gedrängt worden, doch endlich Gürtelreifen für kleine Größen
herzustellen. Bei der Menge an verschiedenen 18/20 Zoll Größen,
fragt sich nur für welche? Und bei dem Preis ist auch nicht jeder
Betrag möglich. Gürtelreifen für 80,- DM müßten
schon deutliche Verbesserungen gegenüber Diagonalreifen aufweisen.
Ein Selbstbau nach Rinkowski Art macht zwar viel Mühe, ist aber möglich,
wobei man von der Haltbarkeit nicht zuviel erwarten sollte. Vom Zeitaufwand
her, dürfte das ähnlich sinnvoll wie der Bau von Rahmen sein.
Wer Interesse an schlauchlosen Radialreifen mit 0° Gürtel hat,
kann sich auch aus dem Motorrad Sektor bedienen. 16 Zoll Mofa / Moped /
Motorrad Reifen besitzen die Größe 406 ETRTO, wobei die erhältlichen
Breiten (70-180 mm) locker für ein Pentadem reichen und der Geldbeutel
pro Stück um 250 - 340,- DM erleichtert wird (zum Testen Altreifen?).
Zukünftige Messungen
In naher Zukunft hoffe ich, daß noch folgende Messungen
veröffentlicht werden
1. Rollwiderstand ohne Schlauch, z.B. mit abgedichteter Felge (mit Pannenspray
und Mikropumpe [Autozubehör] zum Überbrücken der Messdauer).
2. Einen Test mit vielen verschiedenen (auch extremen) Felgenhornweiten
/ Höhen für einen breiten und einen schmalen Reifen.
3. Die Abhängigkeit von der Belastung im Bereich 10-100 kg für
verschiedene Reifen (auch wenn die Reifen nicht für die Belastung
empfohlen werden).
4. Eine Überprüfung der Verhältnisse der Meßwerte
von Tour.
5. Die verwendeten Felgen und Schläuche von älteren Tests.
6. Einen ausgiebigen Schlauchtest, auch mit PU, AirB, Vollmaterialschläuchen
wie Panzerschlauch oder Anti-Platt Einlagen etc.
7. Temperaturverlauf der Dämpfungsverluste
8. Bauanleitung für das ORM, den Reifendämpfungs-Messaufbau und
Rinkowski Gürtelreifen.
9. Wegen der mickrigen Auswahl an kleinen Reifen, eine Hochdruckprüfung
(5 Bar) von einfachen Kinderradreifen Die Formel, nach der meistens der
Reifen-Nenndruck berechnet wird, bietet hier noch Reserven. · Pnenn=P
[50 % Ausfall] / 2
Fazit, wer Interesse hat sich etwas intensiver mit der Materie auseinandersetzen,
kann seinen Rollwiderstand auch ohne Rinkowski Gürtelreifen deutlich
absenken.
Tips
Für Rennen empfehlen sich eigentlich nur superleichte Latexschläuche
und falls diese nicht in der entsprechenden Größe (z.B. Liegerad)
erhältlich sind, kann man selbige aus größeren Exemplaren
selbst zusammenvulkanisieren. Evtl. könnte man die Wandstärke
auf der Oberseite durch Sandstrahlen des angepumpten Schlauches noch weiter
verringern. Alltagsradler denen geringster Luftverlust wichtiger ist, haben
z. Zt. keine Möglichkeit den Rollwiderstand mit Latexschläuchen
abzusenken. Trotz (Roll-) Leistungseinsparung von bis zu 50 %, ist halbwöchentliches
nachpumpen auch mit butylisierten Exemplaren unumgänglich. Und Nabenpumpen
die das erledigen gibt es noch nicht zu kaufen. Alternativ bieten sich
große flexible Butylschläuche an, die sich gerade noch faltenfrei
montieren lassen . Wenn der Reifen allerdings schlecht rollt, lohnt sich
auch kein Superschlauch.
Die Frage welche Reifenbreite sinnvoll ist, muß man je nach Bedarf
neu entscheiden. Gut rollende Reifen gibt es in allen Breiten (schlecht
rollende auch). Also in Tests nachschlagen oder selber messen. Wegen den
normalerweise großen Unterschieden, kann z.B. ein Breitreifen bei
3 Bar besser rollen, als ein Hochdruckreifen bei 7 Bar. [4],
[1], [2]
Als Felgenhornbreite empfehlen sich wahrscheinlich 60-80% Reifenbreite
nach ETRTO. Wer sich die Mühe macht und die einzelnen Hornhöhen
sowie Hornweiten von Felgen in Erfahrung bringt, kann durch eine geschickte
Auswahl noch mehr erreichen. Heruntergefeilte Hornhaken sind wegen des
unsicheren Reifenhalts allerdings nicht empfehlenswert. Da Rollwiderstände
auch Lastabhängig sind, wäre es sicherlich sinnvoll für
Vorne und Hinten verschiedene Reifen zu benutzen. Dies ließe sich
durch einen Blick auf (nicht vorhandene) Kurvenverläufe von Cr in
Abhängigkeit von der Last, leicht bewerkstelligen. Bei breiten Reifen
mit großem Durchmesser und geringer Belastung braucht man nur geringe
Drücke um ein minimales Cr zu erreichen s.TT
2000.
Reproduzierbare Messungen
Bei Rollwiderstandsmessungen reicht es angesichts der vielen
Parameter nicht aus, nur das Meßverfahren und die Oberfläche
zu beschreiben. Die Cr-Werte in [1], [2],
[4] ändern sich z.B. mit Sicherheit, wenn mit anderen
Felgen oder Temperaturen gemessen wird. Daß diese Effekte sogar teilweise
den Anteil des Reifens am Rollwiderstand erreichen (s. Schläuche),
ist erstaunlicherweise bisher in fast keinem Test berücksichtigt worden.
In Zukunft Gürtel?
Radial- Fahrradgürtelreifen in naher Zukunft, scheinen
unwahrscheinlich. Hoher Preis, identische Laufleistung, allgemein unbekannte
Rolleigenschaften und typisches Kaufverhalten sprechen z. Zt. dagegen.
Im Bedarfsfall also selber bauen und einen Artikel schreiben.
Bei Reifen wie Semperit Steel oder Wolber Invulnerable liegt auf einer
Diagonalkarkasse ein Stahlgewebe oder -Cord als Schutzeinlage. Damit rollen
diese kaum besser als übliche Diagonal- Fahrradreifen sondern eher
schlechter, wie Tests [1] und Werbung belegen. Für
Optimisten hier noch die Daten eines Rinkowski Gürtelreifen 47-406,
5 Bar, Cr=0,0016 ORM, Butylschlauch g ?, Felge ? [4].
Selber Messen
Wer keine Lust hat bis zum nächsten Jahrtausend auf Messungen
(und deren Veröffentlichung !) zu warten, kann diese auch
selbst ausführen. Praktisch alle I/O - Karten von PC´s besitzen einen
15 poligen Gameport, welcher mindestens 2 analoge und 2 digitale Eingänge
| PC Gameport | ||
| Pin | Belegung | Addr. [Bit] |
| 1,8,9,15 | +5V | --- |
| 2 | D0 auf GND | 513 [4] |
| 3 | Analog 1 R1 gegen + |
513 [0] Stat.* |
| 4,5,12 | GND | --- |
| 6 | Analog 2 R2 gegen + |
513 [1] Stat.* |
| 7 | D1 auf GND | 513 [5] |
| 10 | D6 | |
| 11 | D2 | |
| 13 | D3 | |
| 14 | D7 | |
| * Abfrage nur zum Initialisieren | ||
R Sch"upferling
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